Was der effektive Jahreszins verrät
In Deutschland gibt es einen gesetzlich definierten Vergleichspreis: den effektiven Jahreszins. Er bündelt Zinsen und alle Pflichtkosten eines Verbraucherdarlehens. Der Sollzins, den Anzeigen gern groß drucken, sagt dagegen wenig über den tatsächlichen Preis aus. Zwei Angebote mit identischem Sollzins können sich in den Gesamtkosten deutlich unterscheiden, wenn Bearbeitungskosten oder ein Versicherungspaket dazukommen.
Die Spanne am Markt ist breit. Nach Angaben der Bundesbank liegt der Durchschnitt für Konsumentenkredite mit ein bis fünf Jahren Laufzeit derzeit bei rund sieben Prozent effektiv. Wer in einem festen Arbeitsverhältnis steht, regelmäßig verdient und einen unauffälligen SCHUFA-Verlauf hat, sieht häufig Sätze zwischen 3,99 und 6,99 Prozent. Bei mittlerer Bonität bewegt sich das Angebot eher zwischen 6,99 und 9,99 Prozent. Wer neu in Deutschland lebt oder nur eine kurze Kredithistorie vorweist, sollte mit 8,99 bis 12,99 Prozent rechnen.
Ein beworbener Bestzins gilt außerdem nur für die beste Bonitätsklasse. Nach der Preisangabenverordnung muss ein Werbezins einem erheblichen Teil der tatsächlich abgeschlossenen Verträge gewährt worden sein. Der eigene Satz entsteht trotzdem erst bei der Konditionsanfrage. Wer die Anzeige als Zusage liest, plant mit einer Zahl, die am Ende vielleicht nicht auf dem Vertrag steht.
Drei Stellen, an denen Anträge in der Praxis scheitern
Die Absage kommt selten wegen des Formulars. Sie kommt wegen der Zahlen dahinter.
Die Haushaltsrechnung. Banken prüfen nicht, ob die Rate im Wunschmonat passt, sondern ob sie über die gesamte Laufzeit tragbar bleibt. Bestehende Verpflichtungen zählen mit: der laufende Autokredit, der in Anspruch genommene Dispokredit, der Kreditkartenrahmen, mitunter sogar laufende Versicherungsbeiträge. Wer die neue Rate nur knapp stemmen kann, bekommt eine Ablehnung oder einen Risikoaufschlag.
Der SCHUFA-Verlauf. Viele Anträge in kurzer Zeit hinterlassen Spuren und wirken wie Suche nach Notfallkapital. Deshalb sind Konditionsanfragen sinnvoller als harte Kreditanträge bei fünf Instituten gleichzeitig. Auch Kleinkram zählt: eine alte Kreditkarte, die niemand gekündigt hat, ein Umzug, bei dem die Adresse nie aktualisiert wurde. Die eigene Auskunft lässt sich anfordern, falsche Einträge lassen sich korrigieren.
Einkommen, das nicht ins Schema passt. Selbstständige, Freiberufler, Rentner, Teilzeitkräfte in Probezeit oder Menschen mit befristetem Vertrag haben es schwerer. Banken wollen Steuerbescheide, Einnahmen-Überschuss-Rechnung, Rentenbescheid und mehrere Gehaltsabrechnungen sehen. Fehlt ein Dokument, verzögert sich der ganze Vorgang.
Von Angeboten für einen Kredit ohne SCHUFA rät die Verbraucherzentrale Hamburg deutlich ab. Unseriöse Vermittler verlangen Vorabgebühren, liefern aber weder Unterlagen noch Geld. Wer bereits Schulden hat, findet bei einer Schuldnerberatung eher einen Weg als bei einem Anbieter, der mit einer 0900-Nummer wirbt.
Katrin, 34, Erzieherin in Leipzig, hatte beides gleichzeitig: einen ausgereizten Dispokredit und einen alten Ratenkredit für die Küche. Statt einen dritten Vertrag obendrauf zu legen, bündelte sie beide in einer Umschuldung mit fester Rate und festem Zins. Der Dispokredit verschwand, die monatliche Belastung wurde planbar, und über die Restlaufzeit fielen die teuren Zinszahlungen weg. Ihr Satz lag über dem Bestzins der Anzeigen, aber unter dem, was sie vorher zahlte.
Regional zeigt sich ein Muster. In Berlin, Hamburg oder im Ruhrgebiet vergleichen die meisten über Online-Portale, die mit einer Anfrage ein Dutzend Banken abfragen. In kleineren Städten in Sachsen oder Niedersachsen geht man häufiger zur Filialbank vor Ort, wo die Beraterin die Lebenssituation kennt, dafür aber selten den günstigsten Satz anbietet.
Kreditformen im Vergleich
| Kreditform | Typischer Rahmen | Zinsniveau (eff. p.a.) | Laufzeit | Passt gut zu | Schwachpunkt |
|---|
| Ratenkredit zur freien Verwendung | 1.000 bis 75.000 Euro | 3,99 bis 12,99 Prozent | 12 bis 84 Monate | Möbel, Umzug, Reise, Umschuldung | Kein Sicherheitenvorteil, daher teurer als zweckgebundene Kredite |
| Zweckgebundener Kredit (Auto, Modernisierung) | je nach Objekt, meist ab 5.000 Euro | ab etwa 2,9 Prozent möglich | 12 bis 84 Monate | Fahrzeugkauf, Sanierung | Fahrzeugbrief dient als Sicherheit, Verkauf nur mit Zustimmung |
| Rahmenkredit | 2.500 bis 25.000 Euro Kreditlinie | etwa 5 bis 10 Prozent, variabel | flexibel nutzbar | unregelmäßiger Bedarf, Puffer | Zins bindet nicht, Rückzahlung ohne Plan wird schnell teuer |
| Sofortkredit online | 1.000 bis 75.000 Euro | wie Ratenkredit, oft etwas höher | 12 bis 84 Monate | dringender Bedarf | Video-Ident nötig, Zinsaufschlag bei schwacher Bonität |
| Umschuldung | Summe der offenen Salden | wie Ratenkredit | 12 bis 84 Monate | mehrere teure Kredite bündeln | Vorfälligkeitsentschädigung des alten Vertrags prüfen |
Was der Gesetzgeber zusichert
Bei einem Verbraucherdarlehen gelten Rechte, die viele nicht kennen. Vierzehn Tage Widerrufsrecht ohne Angabe von Gründen. Jederzeitige Sondertilgung, auch mitten in der Laufzeit. Eine Vorfälligkeitsentschädigung, die bei höchstens einem Prozent des zurückgezahlten Betrags liegt und bei einer Restlaufzeit unter einem Jahr halbiert wird. Dazu Kündigungsschutz: Die Bank darf erst kündigen, wenn zwei Raten offen sind, der Rückstand mindestens zehn Prozent des Betrags erreicht und eine Zwei-Wochen-Frist gesetzt wurde. Und eine Pflicht zur Kreditwürdigkeitsprüfung, die auch dem Kunden nützt.
Wichtig ist der Verwendungszweck im Antrag. Wer einen Privatkredit für private Zwecke aufnimmt, ist Verbraucher und behält diese Rechte. Wer das Geld in den Betrieb steckt und das verschweigt, verliert einen Teil des Schutzes. Bei Selbstständigen ist deshalb ein Kredit für betriebliche Zwecke meist die ehrlichere und passendere Wahl.
Ein Rechenbeispiel mit Marktwerten
Zwölftausend Euro zum Bundesbank-Durchschnitt von 6,93 Prozent zeigen, was die Laufzeit kostet. Über 24 Monate liegt die Rate bei 536,89 Euro, die Zinskosten bei 885 Euro. Über 36 Monate sinkt die Rate auf 370,14 Euro, die Zinskosten steigen auf 1.325 Euro. Über 60 Monate sind es 237,22 Euro Rate und 2.233 Euro Zinskosten. Die niedrigste Rate ist also die teuerste Variante. Wer nach dem Monatsbetrag auswählt, zahlt am Ende mehr.
So gehen Sie vor
- Betrag und Zweck festlegen. Prüfen Sie, ob ein zweckgebundener Kredit günstiger ist als ein freier Ratenkredit.
- Haushaltsrechnung aufstellen. Nehmen Sie drei Monate Kontoauszüge, rechnen Sie Fixkosten, bestehende Raten und einen Puffer für Strom und Nachzahlungen ein.
- Eigene SCHUFA-Auskunft anfordern und Einträge prüfen. Falsche Daten korrigieren, offene Kleinkredite klären.
- Zwei bis drei Konditionsanfragen stellen statt überall einen harten Antrag abzuschicken.
- Unterlagen vollständig einreichen: Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, Mietvertrag, bei Selbstständigen Steuerbescheid und Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
- Nach Gesamtkosten vergleichen, nicht nach Rate. Sondertilgung, Widerrufsfrist und Laufzeitflexibilität gehören in den Vergleich.
- Anbieter prüfen: Zulassung in der BaFin-Datenbank, vollständiges Impressum, keine Vorabgebühren.
Für die Beratung vor Ort gibt es die Verbraucherzentrale, die gegen eine kleine Gebühr rechnet und Verträge prüft. Wer die eigenen Zahlen nicht einschätzen kann, ist dort besser aufgehoben als in einem Chat mit einem Vermittler.
Der Privatkredit ist kein Glücksspiel, sondern eine Rechenaufgabe mit drei Variablen: Betrag, tragbare Rate, Gesamtkosten. Wer diese drei kennt, sortiert Angebote in wenigen Minuten. Nehmen Sie sich einen Abend, legen Sie die Kontoauszüge auf den Tisch, und lassen Sie eine Nacht vergehen, bevor Sie unterschreiben. Die Zahlen ändern sich nicht, Ihre Ruhe schon.